27.04.2001 | 00:00

NÖ Wirtschafts- und Kulturdelegation im Iran

Sobotka: Brückenkopf für einen Markt von 300 Millionen Menschen

In St.Pölten präsentierten gestern Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka und Ing. Leopold Maderthaner, Vorsitzender der Österreich-Iranischen Gesellschaft, die Ergebnisse der Reise einer niederösterreichischen Wirtschaftsdelegation und des Waidhofner Kammerorchesters vom 14. bis 21. April in den Iran. Der Iran ist nach Saudiarabien der zweitgrößte Erdölproduzent, 40 Prozent dieser Einnahmen gehen in Neuinvestitionen.

Der Iran mit 25 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahren stehe auf der Schwelle zu einer modern strukturierten und an westlichen Standards orientierten Industrienation, betonte Sobotka. Er sei überzeugt, dass es heimischen Unternehmen dank der guten wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, mit denen sich Österreich ein gutes Image im Iran geschaffen habe, mit zwar langsamen, aber umso nachhaltigeren Schritten gelingen werde, einen Brückenkopf für einen Markt von 300 Millionen Menschen zu errichten.

Gespräche führte Sobotka mit dem Vizeminister für Wasser, Abwasser und Industrie, dem Kulturminister, dem Gouverneur der Nationalbank, Vertretern der iranischen Sozialversicherung, der Wirtschaftskammer und der Teheraner Stadtverwaltung. Zentrales Thema in Bezug auf die 12 Millionen Einwohner-Stadt war das Müll-Management der täglich anfallenden 6.500 Tonnen Abfall, Konzepte für Logistik und die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage.

Als größten konkreten Erfolg bezeichnete Sobotka die Kooperation der Flughäfen Wien-Schwechat und Mashhad, die knapp vor der Unterzeichnung eines Joint Venture mit einer österreichischen Mehrheitsbeteiligung von 65 Prozent steht. Das Projekt für den 12 Millionen Passagier-Flughafen im Wert von über einer Milliarde Schilling soll bis Juni in Angriff genommen werden.

Die beiden Auftritte des von ihm dirigierten Waidhofner Kammerorchesters während des Trauermonats, der erste Besuch eines westeuropäischen Orchesters seit 1979, sei mehr gewesen als eine bloße Konzertreise, so Sobotka weiter. Der programmatische Inhalt, der zudem gezeigt habe, dass die jahrtausendealte iranische Kulturtradition auch Impulse für die zeitgenössische Musik bringen könne, sei vielmehr als wesentlicher politischer Beitrag zu einer sanften Öffnung im Dialog der Zivilisationen zu verstehen.

Maderthaner bezifferte den Gesamtwert der in Diskussion befindlichen Aufträge mit geschätzten 5 bis 10 Milliarden Schilling, noch heuer sollen die ersten konkreten Projekte in Angriff genommen werden. „Letters of intent“ seien bereits hinsichtlich eines multifunktionalen Tourismusprojektes auf der als Zollfreizone angelegten Insel Qeshm und eines Freizeitparks für die Mekka vergleichbare „heilige Stadt“ Mashhad unterzeichnet, auch ein Telemedizinprojekt zur Vernetzung mehrerer Krankenhäuser stehe kurz vor der Auftragserteilung. Der Neubau des größten Spitals in Mashhad mit rund 1.000 Betten inklusive eigener Müllverbrennungsanlage und ein Hotel mit Konferenzzentrum und Tourismusschule waren ebenso Verhandlungsgegenstand wie eine Fabrik zur Erzeugung von Wasserleitungsrohren, so Maderthaner.


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