04.04.2001 | 00:00

Sigmundsherberg: Ausstellung über Weltkriegsdrama

Bis zu 75.000 Gefangene im Lager festgehalten

Am Sonntag, 8. April, um 15 Uhr wird im Heizhaus in Sigmundsherberg, Bezirk Horn, die Fotoausstellung „Sigmundsherberg, die vergessene Stadt“ eröffnet. Die Veranstalter, die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Waldviertler Eisenbahnmuseums Sigmundsherberg, haben sich in vielen Stunden bemüht, ein berührendes Thema aufzuarbeiten, nämlich das Kriegsgefangenenlager, in dem während des Ersten Weltkrieges bis zu 75.000 Menschen festgehalten wurden. Die Ausstellung kann man bis Ende September täglich von 8 bis 16 Uhr besuchen. Die Eröffnung wird der Generaldirektorstellvertreter der ÖBB, Dipl.Ing. Helmut Hainitz, vornehmen.

In kürzester Zeit entstand ein riesiges Barackenlager, das auch mit Bahngeleisen ausgestattet war. Waren zuerst russische Gefangene in Sigmundsherberg, zogen nach den Schlachten am Isonzo Italiener ein. Bis zu 75.000 Mann (!) waren zeitweise im Lager festgehalten, das natürlich überfüllt war. Eine humane Unterbringung der Gefangenen war kaum möglich.

Das Lager bestand aus dem Verwaltungstrakt, aus Werkstätten aller Art, aus Hallen mit besonderen Verwendungen und aus sieben Wohngruppen zu je 21 Baracken, die jeweils für 300 Mann gedacht waren. Zudem gab es viele sanitäre Einrichtungen und allein 15 Spitalsbaracken. Wasser- und Stromversorgung waren bestens geregelt, zu einem Problem wurde hingegen die Kläranlage. 1917 und 1918 entstanden durch die Überbelegung ansteckende Krankheiten, und diese erhöhten wiederum die Sterblichkeit. Jeden Tag waren bis nach Sigmundsherberg hinein die Klänge der Begräbnismusik zu hören. An manchen Tagen waren bis zu 25 Todesfälle festzustellen. Im angrenzenden Lagerfriedhof wurden die Toten in Schachtgräbern beigesetzt: 29 Österreicher, 9 Rumänen, 75 Russen, 19 Serben und 2.379 Italiener. Am 1. November 1918 löste der österreichische Kommandant, Oberst Buresch, das Lager Sigmundsherberg auf, und italienische Offiziere unter Oberst Rossi übernahmen das Kommando im Lager, kurzfristig sogar die Sicherung in Sigmundsherberg. Nach und nach kehrten die Italiener heim. Am 14. Februar 1919 verließen die letzten Italiener Sigmundsherberg.


Zu diesem Artikel gibt es eine unterstützende Audiodatei. Diese ist zum Download nicht mehr verfügbar. Bitte wenden Sie sich an: presse@noel.gv.at

RÜCKFRAGEHINWEIS

Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
Landesamtsdirektion - Pressedienst
E-Mail: presse@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-12163
Fax: 02742/9005-13550
Landhausplatz 1
3109 St. Pölten
© 2017 Amt der NÖ Landesregierung