24.11.2000 | 00:00

Wo Lurche und Urzeitkrebse überleben

Übungspatz Völtendorf als Lebensraum seltener Tiere

Als Rückzugsgebiet für seltene oder ausgestorben geglaubte Lebewesen erweist sich der Garnisonübungsplatz Völtendorf bei St.Pölten: Hier wurden kürzlich von Mitarbeitern der Forschungsgemeinschaft Lanius (regionale Faunistik und angewandter Naturschutz) zwei Arten seltener Urzeitkrebse entdeckt: Feenkrebs und Rückenschaler bevölkerten lange vor den Dinosauriern die Erde und zählen zu den ältesten Lebensformen dieses Planeten. Bisher waren nur wenige Vorkommen im östlichen Niederösterreich und im Burgenland bekannt. Die Urzeitkrebse sind an zeitweilig entstehende Gewässer, wie sie etwa in Panzerspuren entstehen, optimal angepasst. Sie produzieren Eier, die jahrelange Trockenzeit und Frost überstehen. Entsteht ein Tümpel, schlüpfen die Larven schon nach wenigen Stunden, nach 14 Tagen tritt schon die Geschlechtsreife ein. Der Rückenschaler wird etwa 10 Zentimeter groß, der Feenkrebs ist kleiner. In ständigen Gewässern sind sie nicht überlebensfähig.

Der Fund gelang im Rahmen einer Untersuchung von Flora und Fauna des Garnisonübungsplatzes, die übrigens noch bis Herbst 2001 läuft. Es stellte sich heraus, dass hier mehr als 60 Vogelarten brüten, darunter sechs gefährdete Arten. Hier findet man Froschlurche ebenso wie elf andere Amphibien- und Reptilienarten. Laubfrosch und Gelbbauchunke, sonst gefährdet, kommen hier in größerer Zahl vor.

Die Funde weisen deutliche Parallelen zum Truppenübungsplatz Allentsteig auf, der, für die Öffentlichkeit gesperrt, ebenfalls ein Rückzugsgebiet seltener Pflanzen und Tiere ist.


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