10.07.2000 | 00:00

Kinderbetreuung in NÖ: Kranzl mit Plus- und Negativpunkten

Ferienbetreuung eine begrüßenswerte Initiative

224.900 von 765.000 Niederösterreicherinnen sind unselbstständig beschäftigt. Der Großteil davon – 72,6 Prozent – ist vollzeitbeschäftigt. Jede dritte Frau in Niederösterreich zwischen 20 und 25 Jahren hat maturiert oder ist Akademikerin. Vor diesem Hintergrund zog am Freitag Landesrätin Christa Kranzl Bilanz über die Kinderbetreuung in Niederösterreich und nahm zugleich Ausblicke in die Zukunft vor.

Der Kindergarten in Niederösterreich war das erste Thema: Hier herrscht praktisch Vollversorgung, aber nach wie vor gebe es Probleme mit der Nachmittagsbetreuung, vor allem für berufstätige und alleinerziehende Mütter. Hier wären die Kapazität und die Finanzierung der Nachmittagsbetreuung den Bedürfnissen der berufstätigen Mütter anzupassen.

Um auch den Bedürfnissen von rund 4.000 fremdsprachigen, aus anderen Kulturkreisen stammenden Kindern in Niederösterreich Rechnung zu tragen, wurde vor einiger Zeit das EU-Projekt der „Interkulturellen MitarbeiterInnen“ ins Leben gerufen. Seit 1990 arbeiten 16 Interkulturelle MitarbeiterInnen aus verschiedenen Kulturkreisen mobil in heimischen Kindergärten. Ein Ausbau sei dringend notwendig, weil viele Gebiete Niederösterreichs noch unterversorgt sind. Deshalb wurde auch ein Resolutionsantrag in der letzten Landtagssitzung beschlossen, der eine flächendeckende Versorgung mit Fachkräften sichern soll.

Als lobenswert bezeichnete die Sozial-Landesrätin, berufstätigen Eltern während der Ferien Betreuung für die Kinder zu ermöglichen. Im Vorjahr wurden bereits 31 Gemeinden und Vereine mit rund 405.000 Schilling gefördert, um den Kindern eine Betreuung während der Sommermonate zu ermöglichen. Das entspreche aber noch lange nicht dem Bedarf, sagte Kranzl, und richtete an alle die Aufforderung, sich zu beteiligen.

Über zu wenig Hilfe klagen berufstätige Mütter in Niederösterreich auch, wenn von Betreuung außerhalb des Kindergartens die Rede sei. Derzeit betreuen 1.487 Tagesmütter 5.164 Kinder. Dabei werden die Tagesmütter über das NÖ Hilfswerk, die NÖ Volkshilfe, den Katholischen Familienverband und die Caritas der Diözese St.Pölten vermittelt. Hier wäre es dringend notwendig, den Berufsstand der Tagesmütter auch sozialversicherungsrechtlich abzudecken. Zudem komme die Betreuung insgesamt zu kurz, da sie in der EU auf 18 Prozent der Kinder, in Österreich aber auf nur 3 Prozent zutrifft. Dazu gibt es noch 156 bewilligte Horte, die insgesamt 5.083 Kinder beaufsichtigen, sowie 82 Tagesbetreuungseinrichtungen, die 1.597 „Minis“ betreuen. „Es gibt eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an Betreuungsplätzen außerhalb des Kindergartenbereiches“, meinte Kranzl.

Auch ist die sogenannte „Kindergartenmilliarde“ ab 2001 durch den Bund nicht mehr vorgesehen, hielt Kranzl fest. „Deshalb werden derzeit Überlegungen angestellt, die fehlenden Mitteln aus dem Bundeszuschuss im Rahmen des Schul- und Kindergartenfonds zu kompensieren“, verweist sie auf einen Resolutionsantrag des Landtages.

Notwendig ist auch die Sicherung von Tagesbetreuungseinrichtungen nach dem Ausfall des Arbeitsmarktservices, das mit 1. Jänner 2000 die Förderung von jenen BetreuerInnen in Tageseinrichtungen eingestellt hat, die bereits vier Jahre diese AMS-Startförderung erhalten haben. Derzeit machen die Mittel eines Ausfallsfonds des Landes Niederösterreich, der als Ersatz im Herbst 1999 gegründet wurde, rund 6 Millionen Schilling pro Jahr aus. Dennoch werden nun zusätzliche Maßnahmen überprüft. Die Entscheidung werde 2001 fallen. Das Land Niederösterreich könne sich seiner Verantwortung jedenfalls nicht entziehen, wenngleich der entsprechende Bedarf durch Fakten belegt sein muss. Deshalb freut sich Landesrätin Kranzl auch über einen Resolutionsantrag, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, die finanzielle Absicherung des Betreuungspersonals über den 31. Dezember 2000 hinaus sicherzustellen.


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