04.07.2014 | 00:21

LR Schwarz zur Bedeutung der interkulturellen Mitarbeiter in NÖ Kindergärten

„Unterstützen 31 verschiedene Sprachen"

Stolz, dass in den NÖ Kindergärten über 30 Sprachen durch die interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt werden: Bildungs-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz und die mobile interkulturelle Mitarbeiterin Meltem Erisöz-Richter. (v.l.n.r.)
Stolz, dass in den NÖ Kindergärten über 30 Sprachen durch die interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt werden: Bildungs-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz und die mobile interkulturelle Mitarbeiterin Meltem Erisöz-Richter. (v.l.n.r.)© NLK Diese Datei steht nicht mehr zum Download zur Verfügung. Bild anfordern

„Auch wenn schon Schulschluss war, in den Kindergärten geht die Betreuung noch weiter", so Bildungs-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz. Gemeinsam mit der mobilen interkulturellen Mitarbeiterin Meltem Erisöz-Richter sprach sie heute, Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz im NÖ Landhaus in St. Pölten über die Bedeutung der interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den niederösterreichischen Kindergärten.

„Wir haben in Niederösterreich 9.000 mehrsprachige Kindergartenkinder und 170 Mitarbeiter, die 31 verschiedene Sprachen unterstützen", so Schwarz. Unterstützt werden unter anderem die Sprachen Türkisch, Tschetschenisch, Bosnisch, Kroatisch, Kurdisch, Arabisch und Armenisch. In Kindergärten, in denen der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund mehr als 50 Prozent beträgt, gibt es fixe interkulturelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist derzeit in 60 Kindergärten der Fall, in allen anderen werden mobile interkulturelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt.

Durch den Einsatz von interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin sollen die Erstsprache der Kinder gefördert, Netzwerke eingerichtet, Ängste im Miteinander abgebaut sowie Zweit- und Drittsprachen als Chance gesehen werden. Die Förderung der Erstsprache sei deshalb besonders wichtig, weil Studien ergeben hätten, dass es sich negativ auf die Sprachentwicklung eines Kindes auswirke, wenn man ein Kind, das in der Muttersprache zu sprechen beginne, in seiner Sprache unterbreche, so Schwarz. „Es ist wichtig, die Sprachentwicklung eines Kindes in der Muttersprache  leben zu lassen", so die Landesrätin.

Natürlich habe das Thema auch einen arbeitsmarktpolitischen Hintergrund. „Unsere interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr gut geschult", so Schwarz. Diese „sehr gute und fundierte Ausbildung" dauert zwei Jahre und umfasst 1.600 Unterrichtseinheiten. „Die interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch ein Vorbild für viele", so Schwarz. Denn sie würden vorzeigen, dass man es auch mit Migrationshintergrund in der Arbeitswelt schaffen könne, und dass das Können von Menschen mit Migrationshintergrund gefragt sei.

Im Herbst startet zusätzlich zur Ausbildung für interkulturelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Lehrgang für interkulturelle Pädagogik. Dieser richtet sich verstärkt an Kindergartenleiterinnen und -leiter, die interkulturelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus haben, aber auch an Pädagoginnen und Pädagogen, die gerne lernen würden, wie man besser mit Kindern mit Migrationshintergrund umgeht und im Lehrgang für ihre Arbeit sensibilisiert werden. Der Lehrgang besteht aus sieben Modulen in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren mit zwölf Weiterbildungstagen.

In einer Studie vom Institut für empirische Sozialforschung wurden die Akzeptanz der interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Erwartungen und Verbesserungswünsche in diesem Zusammenhang abgefragt. Das Ergebnis: 60 Prozent der Menschen in Niederösterreich haben bereits davon gehört oder gelesen, dass es in Niederösterreich interkulturelle Betreuung gibt. 88 Prozent der Befragten gaben an, dass mehrsprachige und interkulturelle betreute Kindergärten gut sind. „Besonders erfreulich ist, dass die Zustimmung gleich verteilt ist - bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund", so Schwarz. Was die Verbesserungswünsche betrifft, so solle noch mehr Personal für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt werden. „Die Mehrheit sagt, dass Kinder nicht nur in Deutsch, sondern auch in der eigenen Sprache, ihrer Muttersprache, gefördert werden sollen", so die Landesrätin. Mehrsprachigkeit werde als wichtig und als positive Basis für einen guten Schulstart wahrgenommen.

Schwarz bedankte sich bei allen interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre geleistete Arbeit. „Wir haben große Erfolge in den Kindergärten", so die Landesrätin. Kinder seien sehr unterschiedlich und bräuchten daher auch unterschiedlich Zeit und unterschiedliche Zugänge. Das betreffe nicht nur den Spracherwerb, sondern alle Fähigkeiten der Kinder.

Meltem Erisöz-Richter lebt seit ihrem ersten Lebensjahr in Österreich und ist seit 1993 als mobile interkulturelle Mitarbeiterin im Land Niederösterreich beschäftigt. „Sprache ist etwas Tolles und etwas ganz Wichtiges", so Erisöz-Richter. Das und dass sie keine Angst haben müssen, vermittelt sie den Kindern. Im Rahmen ihrer Tätigkeit sei es auch wichtig, viel Aufklärung zu geben, beispielsweise wie wichtig die erste Sprache sei. „Die Erstsprache ist erst mit dem sechsten oder siebentem Lebensjahr abgeschlossen", so die Pädagogin. Das würden viele nicht wissen.

„Die interkulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Brückenbauer", so Erisöz-Richter. Ihre Werkzeuge seien Haltung, Nähe und Zeit. Damit werde „Stein für Stein" aufgebaut. Haltung bedeute wie man zu den Kindern gehe, wie man mit ihnen spreche. „Die Nähe zu den Kindern ist ein ganz wichtiger Punkt", so die Pädagogin. „Ich gebe ihnen Zeit, denn Kinder brauchen ganz viel Zeit." Die Vertrauensebene sei ein ganz wichtiger Punkt, den Kinder brauchen. „Ich mache ihnen Mut und sage ihnen, dass sie eine schöne Sprache haben", so Erisöz-Richter. Dabei macht es ihr auch eine Freude mit den Kindern zwischen Sprachen zu switchen.

Nähere Informationen: Büro LR Schwarz, Mag. (FH) Dieter Kraus, Telefon 02742/9005-12655, e-mail dieter.kraus@noel.gv.at.

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