Ideenwettbewerb "Naturschutz aus Bauernhand"
Intention und Zielsetzung
Jeden Tag wird auf Bauernhöfen etwas gemacht, oder etwas gedacht, das hilft, unsere Natur ein wenig besser zu erhalten.
Um die Naturverbundenheit der bäuerlichen Betriebe zu thematisieren, werden in einem von der Naturschutzabteilung und der Landwirtschaftskammer NÖ ausgeschriebenen Wettbewerb die besten Ideen und Projekte von engagierten Bäuerinnen und Bauern sowie vom bäuerlichen Nachwuchs gesucht.
„Naturschutz aus Bauernhand" hat das Ziel, die Kreativität und das Wissen der Bäuerinnen und Bauern zu sammeln, um für jeden Betrieb den Weg zu finden, wie er seine Natur am besten erhalten kann.
Die Preisträger sind am 21. Juni 2011 von Landesrat Dr. Stephan Pernkopf und Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Theresia Meier ausgezeichnet worden.
Die Preisträger 2011 und ihre Projekte
Kategorie "Groß & Gut"
1. Platz: Weinbauverein Langenlois
Schutz des Osterluzeifalters
Der Osterluzeifalter ist ein heikler Schmetterling: Als Nahrung für die Raupen kommt nur die Gewöhnliche Osterluzei in Frage. Daher gilt: Wo keine Osterluzeipflanze, da auch kein Osterluzeifalter. Um die Schmetterlinge in die Weingärten zurück zu bringen, haben Weinbäuerinnen und -bauern des Weinbauvereins Langenlois Osterluzeipflanzen ausgegraben und in ihre Weingärten verpflanzt. Außerdem werden die zwei Hauptschädlinge im Weinbau auf einer Fläche von 200 Hektar nicht mehr mit Insektiziden, sondern mit Pheromonfallen bekämpft - es hat sich gezeigt, dass diese Fallen sehr gut wirken und daher eine große Menge an chemischen Insektiziden eingespart werden kann. Das kommt dem Osterluzeifalter und auch anderen Insekten zugute.
2. Platz: Walter Pamperl aus Nappersdorf
Zieselwein
Walter Pamperl engagiert sich besonders für ein Tier in seinen Weingärten: Das Ziesel. Bei vielen Bauern waren Ziesel früher in Weingärten und Ackerflächen nicht gerne gesehen, denn sie galten als Schädlinge. Doch die Tiere richten keine Schäden an - sie knabbern weder an den Wurzeln der Weinreben noch vergreifen sie sich an den am Stock hängenden Weintrauben. In Weingärten gefällt es den Zieseln dann besonders gut, wenn der Boden schön grün ist. So hat auch Walter Pamperl seine Weingärten dauerhaft begrünt. Damit auch seine Gäste und Kunden auf die kleinen Tiere aufmerksam werden, hat er ihnen sogar einen Zweigelt und einen Chardonnay gewidmet - den Zieselwein®. Auf jede Flasche Zieselwein® kommt ein Zusatzetikett mit Informationen über die Ziesel. Als nächsten Schritt plant Walter Pamperl in seinen Rieden mit den Zieselpopulationen Informationstafeln für die anderen Weinbauern und die Konsumenten aufzustellen.
3. Platz: Luzia Marchsteiner, Ulrike Petschacher, Julia Katzmann
Die Sonne in meinem Bauch
Wie das Wachsen von Pflanzen, die Entstehung von Nahrung und eine gesunde Landwirtschaft funktionieren - das wollen die zertifizierten Erlebnispädagoginnen Luzia Marchsteiner, Julia Katzmann und Ulrike Petschacher Kindern beibringen. Dass das nicht einfach ist und einige Zeit braucht, war ihnen klar. Daher haben sie das Programm „Die Sonne in meinem Bauch - Die Reise des Sonnenstrahls zu Apfel und Brot" für neun- und zehnjährige Kinder entwickelt, das drei ganze Tage dauert. Bei der Erlebnispädagogik lernen Kinder kognitiv, emotional und körperlich - jeweils über vielerlei Sinneserlebnisse. Auch Wissen wurde ihnen spielerisch vermittelt, etwa wie eine Pflanze Nährstoffe und Wasser aus dem Boden aufnimmt, wie sie wächst und ihre Früchte reif werden. Damit sollen die Kinder ein Bewusstsein entwicleln, wie die Nahrung entsteht, welche Rolle die Natur dabei spielt, welche Verantwortung der Bauer und die Bäuerin und letztendlich sie selbst als zukünftige Konsumentinnen und Konsumenten haben. Das Bewusstsein für Nahrungsmittel, Natur und das Leben wurde den Kindern sozusagen „eingepflanzt".
Kategorie "Jung & Schlau"
1. Platz: LFS Weinbauschule Krems
Der Weinbau als Brücke für die Biodiversität
Der Wein und die Biodiversität - diese zwei Themen standen bei den Schülerinnen und Schülern der Klasse 2A der Weinbauschule Krems im Mittelpunkt. Dabei stellten sie sich Fragen wie „was hat Weinbau mit Naturschutz zu tun", „was bedeutet Biodiversität" oder „wie kann ich im Weingarten die biologische Vielfalt erhöhen".
Als Einführung zum Thema „Ökologisierung des Weinbaus" setzten sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinander, was Natur für sie persönlich bedeutet. In Gruppen gestalteten sie dann Plakate und Präsentationen über die Biodiversität. Danach ging es über die Grenze nach Tschechien. Die zwei Exkursionstage standen unter dem Motto „Natur wahrnehmen - Vielfalt erleben". Die Exkursion bot interessante Informationen: Viel über die geologischen und klimatischen Besonderheiten des Gebietes, die Vielfalt der lokalen Fauna und Flora sowie welche Arten als Indikatoren für Biodiversität herangezogen werden. Dann besuchten die Jugendlichen drei Weingärten, die unterschiedlich bewirtschaftet werden: konventionell, biologisch und integriert. Von einem Experten erfuhren die Schülerinnen und Schüler dann mehr über die Zusammenhänge von Anbaumethode und Artenvielfalt.
Da es sich zeigte, dass Begrünung im Weinbau sehr wichtig ist, haben die Schülerinnen und Schüler eigene Erhebungen in einem ökologisch bewirtschafteten Weingarten gestartet. Wurzeln wurden ausgegraben und das Bodenleben erforscht. Dabei wurde deutlich, dass ein gesunder Boden äußerst wichtig für die Vielfalt und den Weinbau ist. So haben die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Exkursion viel über Weinbau, Ökologie und die Tier- und Pflanzenwelt gelernt. Ihre Erfahrungen aus dem Projekt stellten sie beim „Tag der offenen Tür" vor.
2. Platz: LFS Gießhübl
Ökologisch wirtschaften mit der Natur
An der LFS Gießhübl werden Natur, Lebensräume von Tieren und Pflanzen sowie deren Schutz großgeschrieben. Die Schülerinnen und Schüler erfahren viel über Naturschutz und können ihre Ideen verwirklichen und die notwendige Pflege von unterschiedlichen Biotopen kennenlernen.
In der Tischlereipraxis konnten die Schülerinnen und Schüler Insektenhotels bauen. Auch im Fach „Waldwirtschaftspraxis" beschäftigten sie sich mit angewandtem Naturschutz und schützten Waldameisenhaufen durch Gitter vor Fressfeinden.
Bereits vor 15 Jahren wurden in der LFS Gießhübl Biotopverbundsysteme errichtet. Diese dienen vor allem als Windbremse, Luftreiniger, Sauerstoffproduzent und Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Damit all diese wichtigen Funktionen aber erhalten bleiben, werden die angelegten Hecken und Rückzugsgebiete regelmäßig von den Schülerinnen und Schülern gepflegt.
Auch im Schulgarten der LFS Gießhübl wird Wert auf viel Natur gelegt. So wird mit Hornspänen, Steinmehl und Kompost gedüngt, Nützlingshotels sorgen für natürliche Schädlingsbekämpfung, Holzzäune und Sträucherhecken für Windschutz. Kultiviert wird verschiedenstes Beerenobst und Gemüse. Dieses wächst in Hochbeeten, die besonders gut zum Beobachten der Kulturen geeignet sind. Eine ausgeklügelte Fruchtfolge sorgt für naturnahes Gärtnern, denn so werden weniger Spritz- und Düngemittel benötigt.
ebenfalls 2. Platz: LFS Edelhof
Naturgeflüster am Edelhof
Im Pflanzenbauunterricht der Klasse 2B der LFS Edelhof stellten sich die Schülerinnen und Schüler die Frage, was sie selbst für die Natur und ihren Schutz machen können. Die perfekte Idee war schnell gefunden: Ein Feuchtbiotop sollte errichtet werden, umrahmt von einer Trockensteinmauer samt integriertem Nützlingshotel und Kompostanlage.
Zuerst wurde der Teich ausgehoben, die tiefste Stelle maß etwa einen Meter. Danach wurde die Folie gespannt, die Pflanzen gesetzt, die den Teich rein halten sollen, die Pumpe eingebaut und das Wasser eingefüllt. Die Pflanzen für die Trockensteinmauer brachten die Schülerinnen und Schüler aus ihren Heimatgemeinden mit. Die Kompostboxen haben die Schülerinnen und Schüler selbst gebaut. Dazu wurde im Baukundeunterricht das Holz zugeschnitten und dann in die selbst zusammengeschweißten und einbetonierten Eisensteher geschoben - fertig waren die Kompostboxen.
Die Biotope waren bei Tieren von Anfang an beliebt - schon nach kurzer Zeit waren Wasserläufer, Frösche und Goldrandkäfer im Teich zu finden. Auch die Trockensteinmauer wurde bald von Eidechsen besiedelt, und das eingebaute Nützlingshotel war von seltenen Mauerbienen umschwärmt.
3. Platz: LFS Gaming
Ernährungssicherheit in Zeiten der Krise
Der Welternährungstag 2008 war für die Schülerinnen und Schüler des dritten Jahrgangs der LFS Gaming ein wichtiger Tag: Sie waren eingeladen, bei einer hochkarätig besetzten Diskussion die „Stimmen der Jugend" zu repräsentieren. Daher haben sich die Jugendlichen zwei Wochen lang intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigt. Wirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit und ungerechte Verteilung der Güter - das sind Probleme, mit denen die ganze Welt zu kämpfen hat.
Die Schülerinnen und Schüler sind davon überzeugt, dass Entscheidungen im Interesse der Menschen und des Klimaschutzes getroffen werden müssen. Denn wenn sich die Entscheidungsträger der Welt um eine faire Güterverteilung und regional gut verträgliche Marktwirtschaft bemühen und die Konsumenten gleichzeitig einen weniger verschwenderischen Lebensstil wählen, wären auf der Erde genug Ressourcen für alle vorhanden.
Die Schülerinnen und Schüler verfassten daher eine Broschüre, die Tipps zu nachhaltigem Einkauf und sorgfältigem Umgang mit Lebensmitteln gibt. Darin zeigen sie auf, dass biologisch produzierte und fair gehandelte Lebensmittel leistbar sind, wenn man sorgsam mit ihnen umgeht und nur wirklich benötigte Mengen kauft. Damit auch die Schule einen Beitrag leistet, wurde das Küchenpersonal davon überzeugt, beim Einkauf möglichst auf regionale und saisonale Produkte zu achten. In der Broschüre finden sich auch wichtige Tipps und Tricks, wie Lebensmittel-Reste weiter verwendet werden können. Weiters wird genau beschrieben, warum regionale, saisonale, biologische und fair gehandelte Lebensmittel wichtig sind. Dabei wird klar, dass der einzelne Konsument viele Möglichkeiten hat, die Welt in kleinen Schritten zu verbessern.
Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Dipl.-Ing. Sandra Klingelhöfer E-Mail: post.ru5@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-15279, Fax: 02742/9005-15220
3109 St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 16

