Gemüsebau
Gemüsebau im Jahr 2008
Der Winter 2007/2008 war außergewöhnlich mild. Im Frühjahr kam es zu einem Kälterückfall, auf Grund dessen sich der Saisonstart etwas verzögerte. Fehlende Niederschläge im Frühjahr führten zu schlechten Anfangsraten bei den wichtigen Kulturan Zwieben und Karotten. Wetterkapriolen im Sommer, besonders Hagelschlag, verursachten erhebliche Qualitätsbeeinträchtigungen und Ertragseinbußen bei einzelnen Gemüsearten.
Feldgemüsebau
Der Absatz bei Zwiebel zu Jahresbeginn 2008 war zögerlich, bis Mitte Mai war bei Lagerware ein Preisverfall auf bis zu 10 Cent zu verzeichnen. Zu Saisonende kam es noch einmal zu einem kurzen Aufflackern des Preises auf 30 bis 40 Cent/kg. Dieser Preis konnte kurz in die mit 22. Woche beginnende Winterzwiebelsaison mitgenommen werden. Danach verfiel der Preis kontinuierlich. Unterstützt durch hagelbedingte schlechte Qualitäten stabilisierte sich der Preis erst bei 6 bis 7 Cent bis Jahresende.
Entwicklung der Zwiebelerzeugerpreise
Zwiebelerzeugerpreise in EUR/100kg, sortiert in Kiste, ohne MWSt.
| |||
|---|---|---|---|
| 2006 | 2007 | 2008 |
Juli | 25,60 | 39,60 | 20,20 |
August | 21,40 | 28,10 | 12,00 |
September | 17,80 | 22,00 | 8,40 |
Oktober | 17,30 | 19,10 | 6,50 |
November | 19,80 | 13,25 | 6,50 |
Dezember | 22,00 | 11,00 | 6,50 |
Quelle: NÖ LK
Der Abverkauf der Lagerware bei Karotten war bis Woche 18 erledigt. Im Vergleich zum Jahr 2007 war der Erntebeginn um zwei Wochen verzögert. Mit Ende Juni konnte der Markt wieder mit heimischen Karotten beliefert werden. Auf Grund des ungleichen Aufganges der ersten Anbausätze war die Qualität sehr unterschiedlich. Zirka ein Viertel der österr. Karotten werden biologisch produziert. Der Export dieser Ware wird allerdings zusehends schwieriger.
Entwicklung der Karottenerzeugerpreise
Karottenerzeugerpreise in EUR/100kg gewaschen, gesackt, ohne MWSt.
| |||
|---|---|---|---|
| 2006 | 2007 | 2008 |
Juli | 22,50 | 31,00 | 38,00 |
August | 23,40 | 30,70 | 33,10 |
September | 21,00 | 24,00 | 27,00 |
Oktober | 20,00 | 23,20 | 24,90 |
November | 20,00 | 24,00 | 23,10 |
Dezember | 20,00 | 24,00 | 21,30 |
Quelle: NÖ LK
Die Spargelernte 2008 begann Mitte April. Ab 1. Maiwoche wurde der österr. Markt stark durch das Überangebot aus Deutschland beeinflusst. Zu einer Preiserholung kam es in der ganzen Saison nicht mehr. Auf Grund der großen Unsicherheit und der starken Konkurrenz durch slowakischen und deutschen Spargel ist der Anbau derzeit in Österreich rückläufig.
Der Anbau von Tiefkühlgemüse im Marchfeld ist weiterhin expansiv. Besonders die Erbsen- und Zuckermaisflächen wurden ausgeweitet. Auf Grund der großen Nachfrage war es möglich bei einigen Produkten die Preise bis zu 25 % zu erhöhen. Im Anbau selbst kam es vor allem bei der Kultur von Grünerbsen zu massiven Ertragseinbußen auf Grund von Virusbefall.
Der Anbau von Einlegegurken in NÖ musste auf Grund der unsicheren Situation am Arbeitsmarkt eingestellt werden.
Anbauflächen und Erträge
Die Anbauflächen in NÖ haben sich 2008 um ca. 920 ha erhöht. Starke Anbauausweitungen gab es bei Erbsen, Zuckermais und Zwiebel. Auf Grund des feuchten und verhagelten Sommers, sowie des massiven Auftretens von Krankheiten waren die Erträge im Allgemeinen unterdurchschnittlich. Besonders betroffen von Ertragseinbrüchen waren Erbsen, Zwiebel und Blattgemüse.
Die Zwiebelernte 2008 lag in Niederösterreich bei 115.870 t (Österreich: 122.608 t). Auf Grund der hohen Niederschläge im Sommer kam es auch in Nichtbewässerungsgebieten zu guten Erträgen. Die Qualität war auf Grund von Hagelschäden unterdurchschnittlich. Die Karottenproduktion in NÖ lag 2008 bei 66.000 t (Österreich: 80.849 t).
Gemüseanbaufläche Niederösterreichs im Jahr 2008 in ha in Relation zu Österreich (mit Mehrfachnutzung)
| Österreich | NÖ |
|---|---|---|
Industriekraut incl. Rotkraut | 408 | 215 |
Frisch- und Lagerkraut | 478 | 190 |
Kraut insgesamt | 886 | 405 |
Blattsalate | 1.575 | 189 |
Chinakohl | 510 | 35 |
Spinat | 562 | 530 |
Karotten, Möhren | 1.491 | 1.200 |
Rote Rüben | 210 | 110 |
Salatgurken (Freiland u.Gewächsh.) | 168 | 19 |
Industriegurken | 197 | 10 |
Paradeiser (Freiland u. Gewächsh.) | 185 | 16 |
Paprika, Pfefferoni | 170 | 11 |
Zwiebeln | 2.816 | 2.595 |
Grünerbsen | 2.806 | 2.800 |
Pflückbohnen | 567 | 460 |
Spargel | 470 | 305 |
Sellerie | 296 | 170 |
Speisekürbis | 244 | 120 |
sonstige Gemüsearten | 2.753 | 732 |
Feldgemüse gesamt | 15.906 | 9.707 |
Quelle: NÖ LK
Ca. 90 % des heimischen Gemüses wird in Niederösterreich nach den Grundsätzen der Integrierten Produktion angebaut. Aufbauend auf der IP Gemüse entwickelten sich in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem Handel, Qualitätssicherungssysteme. AMA-GAP (AMA-Gütesiegel) bietet dem Konsument höchstmögliche Transparenz der Produktion und Rückverfolgbarkeit und somit Sicherheit beim Kauf heimischer Waren. Ein Großteil der Handelsbetriebe vermarktet österreichisches Gemüse unter dem Standard AMA-GAP.
Die Schwerpunkte der Gemüsebauberatung liegen in der Betreuung der Betriebe, die nach Richtlinien der IP und biologisch wirtschaften. Der Anteil der biologischen Gemüseproduktion ist stabil derzeit ca. 10 %. Der Export in diesem Bereich wird allerdings zusehends schwieriger
Gärtnerischer Gemüsebau
Die Hauptkulturen der Produktion sind Paradeiser, Paprika und Gurke im Unterglasbereich. Mittlerweile werden diese Gemüsearten in Langzeitkultur (11 bis 12 Monate im Jahr) auf höchstem technischem Niveau geführt. Kulturbeginn ist Mitte Jänner und Kulturende Dezember. Moderne Gewächshäuser werden mittlerweile fast ausschließlich in umweltschonenden geschlossenen Systemen geführt. Pflanzenschutz wird in solchen Anlagen ausschließlich über optimale Klimasteuerung und Nützlingseinsatz bewerkstelligt.
Der Produktionsstart im Jahr 2008 war im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1 Woche später. Über die Saison betrachtet waren die Erträge bei Paradeisern, Paprika und Gurken leicht unter dem Durchschnitt. Die Preisentwicklung war mäßig zufriedenstellend. Obwohl der LEH bereit ist für österr. Ware höhere Preise zu bezahlen, kam es bei allen Produktgruppen im Vergleich zum Vorjahr zu Preisreduktionen. Regionale Produkte werden, wenn auch preislich höher angesiedelt, vom Konsumenten bevorzugt.
NÖLK
Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Landwirtschaftsförderung, LF3
Dipl. Ing. Veronika Müller-Reinwein E-Mail: post.lf3@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-13604, Fax: 02742/9005-13535
3109 St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 12